Über das Umweltethik-Projekt

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In den vergangenen Jahren ist das Interesse an den Verhaltenskomponenten von Umweltproblemen gestiegen, seitdem klar geworden ist, dass die menschlichen Aktionen das kritische Element in der Verschlechterung der Umwelt darstellen. Im Klimawandel-Bericht haben die Verienten Nationen erklärt, dass die globalen Umweltprobleme hauptsächlich anthropogenen Ursprungs sind. Unter den komplexen und empfindlichen Beziehungen, die die Umwelt betreffen, könnten ein ethisches Umweltbewusstsein sowie angemessene Lebensstile bei der Kontrolle der Umweltverschmutzung, bei der Abfallvermeidung, beim Management knapper natürlicher Resourcen und bei der Aufhaltung eines weiteren Rückgangs der Artenvielfalt - zusätzlich zu den bereits vorhandenen traditionellen Wegen des Wissenstransfers - dabei helfen, "Umweltschutz" und "Nachhaltigkeit" zu fördern.

 

 

 

p310.250px p320.250px p4170079.250px

dsc_0249.250pxDer Sinn von Umweltethik ist es, Menschen dazu anzuleiten, fundierte Einschätzungen vorzunehmen und umweltgerechte Entscheidungen treffen sowie entsprechende Verhaltensweisen entwickeln zu können. Allerdings ist nicht zu erwarten, dass Individuen dies von sich aus zu bewerkstelligen vermögen. Wissen allein motiviert noch nicht notwendigerweise ein umweltgerechtes Handeln; erst ein angemessenes Werte- bzw. Glaubenssystem ist der Schlüssel, um bestimmen zu können, ob in Bezug auf die Bewahrung der Umwelt eine Handlung als positiv oder negativ zu bewerten ist. Das Annehmen neuer Verhaltensweisen kann durch viele Initiativen unterstützt werden, die auf unterschiedlichen Instrumenten basieren: z. B. Formen der Kommunikation, die sich mit Informationen, Erziehung und Unterricht beschäftigen. Die Wirksamkeit von umweltpolitischen Maßnahmen und Strategien zur Analyse und Verbreitung der geeignetsten Vorgehensweisen könnte etwa gesteigert werden durch den Einsatz innovativer Instrumente wie e-learning, interaktive Webseiten sowie CD-ROMs für Personen in Entscheidungspositionen, aber auch für Umweltexperten in öffentlichen Organisationen oder in kleinen und mittelständischen Unternehmen, Stadtverwaltungen, Forschungsinstituten und Universitäten; schließlich können diese Instrumente auch von Trainern und Erziehern im Bereich der Umwelthygiene genutzt werden, mit dem Ziel, mehr Umweltbewusstsein zu erzielen und die gewohnten Einstellungen gegenüber der Umwelt in allen EU-Ländern zu verändern.

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Die Erkenntnis, Umweltwissen mit ethischen Werten in Übereinstimmung zu bringen und so erforderliche Verhaltensänderungen und die Internalisierung von ethischen Werten auf den Weg zu bringen, verdankt sich jüngsten Anstrengungen und Erfahrungen, die von dem 6. Umweltaktionsprogramm der Europäischen Gemeinschaft ("Environment 2010: Our Future, our choice") gefördert wurden. Das Programm schlägt fünf Wege für eine strategische Aktion vor: Einer davon besteht darin, dass Verhalten von Menschen dadurch zu ändern, dass man sie mit den Informationen versorgt, die sie benötigen, um umweltfreundliche Entscheidungen treffen zu können. Zu dem 6. Umweltaktionsprogramm gesellt sich das Abkommen von Arhus (das seit dem 30. Oktober 2001 in Kraft ist), das von der Annahme ausgeht, dass eine größere öffentliche Bewusstheit über und Beteiligung an Umweltbelangen den Umweltschutz verbessern wird. Ein weiteres Dokument aus der jüngsten Zeit, die „Annual Policy Strategy for 2008" (vom 21.02.2007), betont die novellierte „Lissabonner Strategie für Wachstum und Jobs" als ein herausragendes Mittel, um die Umwelt-Verantwortung innerhalb der Europäischen Union zu fördern. Es besteht jedenfalls die Notwendigkeit, die öffentliche Sensibilität für Umweltprobleme zu erhöhen und den Sinn einer persönlichen Verantwortung für die Umwelt sowie die Motivation für umweltbewusste Verhaltensweisen nachdrücklich zu fördern. Deshalb will das ENV-Ethics Projekt versuchen, die maßgeblichen Zielgruppen in dieser Hinsicht weiterzubilden: insbesondere bei Entscheidungsträgern und sonstigen Personen, die in umweltsensitiven Funktionen in Kommunen und öffentlichen bzw. Regierungsorganisationen tätig sind, soll über die Vermittlung ethischer Werte das Umweltbewusstsein gesteigert werden. Zusätzlich sollen durch das Einüben von technischem Know-how hinsichtlich der Möglichkeiten, Umweltbelastungen zu kontrollieren (pollution control), die Grundprinzipien der „European Environmental Policy and Integrated Pollution Prevention and Control" (IPPC Directive 96/61/EC vom 24. September 1996) zum Tragen kommen.

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Das Projekt verfolgt folgende Ziele und Aufgaben:

 

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Unser Projekt beabsichtigt, die Wahrnehmung der Umwelt und die Einstellung zu ihr bei den ausgewählten Zielgruppen nachhaltig zu verändern. Die e-larning-Prozesse sollen möglichst einfach gestaltet sein und den Teilnehmern einen leichten Zugang zu den Inhalten der Umweltethik erlauben. Alle Produkte des Projekts (CD-Rom, Lehrbuch, web-site und VET-Kurse) sollen die aktuellen rechtlichen Regulierungen berücksichtigen und den Anwendern (etwa politischen Entscheidungsträgern) brauchbare Leitfäden zur Verfügung stellen. Auf diese Weise vermag das Projekt optimal zur Vermittlung neuer umweltbezogener Kenntnisse, Technologien sowie Direktiven an ein breiteres Publikum beizutragen. Es ist nicht zu leugnen, dass eine große Nachfrage insbesondere im Hinblick auf solche VET-Methoden besteht, die eine Integration von technischem Wissen und Umweltethik zu leisten imstande sind. Dies gilt vor allem angesichts der Tatsache, dass gerade Entscheidungsträger und andere im Umweltbereich tätige Personen (z.B. Ingenieure) umweltethischen Fragen noch eine zu geringe Aufmerksamkeit widmen. Mit Hilfe unseres VET-Trainingssystems hoffen wir diesen Zustand verbessern zu können; die Kurse werden daher praktisch orientiert und auf konkrete Fälle in den verschiedenen Projektpartner-Ländern hin bezogen sein.

Es ist wichtig, dass etwa Entscheidungsträger mit den Fakten zur Ökologie und Umweltverschmutzung umfassend vertraut sind. Nur so kann es zu einem Paradigmawechsel in der Politik und im Umweltmanagement kommen, der die Inangriffnahme neuer Konzepte des Umweltschutzes ermöglicht. Hierzu dienen VET-Kurse für Personen, die für den Umweltbereich bedeutsame Entscheidungen zu treffen haben. Dabei kommt auch gerade ethischen Aspekten eine wichtige Rolle zu, die daher Bestandteil derartiger Kurse zu sein haben. Dies ist eine Voraussetzung dafür, dass die Kursteilnehmer lernen, wie ein effizientes Umwelt-Monitoring vollzogen und ethisch abgesichert werden kann.

dsc_0259.250pxZwar belegen Studien aus den letzten Jahrzehnten, dass Maßnahmen (etwa zum Ressourcen-Recycling, zur Wasser- und Bodenkonservierung, zum Artenschutz in Naturparks usw.) schon vielfach erfolgreich gegriffen haben, gleichwohl harren noch zahlreiche Probleme ihrer Lösung. Daher sind weitere Datenerhebungen, neue Methodenentwicklungen und nicht zuletzt auch ethische Abwägungen zwischen konfligierenden Normvorstellungen und Interessen unerlässlich. Hierfür den Boden zu bereiten, darauf zielen auch die in unserem Projekt entwickelten Ethikmodule und deren Implementierung in den Rahmen von VET-Trainingskursen ab, indem konkrete umweltethische Kontroversen explizit thematisiert werden. Die Diskussion von Fallbeispielen dient der Sensibilisierung der Kursteilnehmer für ethische Problemlagen und der Verbesserung ihrer Fähigkeiten, das Pro und Contra verschiedener umweltethischer Positionen argumentativ abzuwägen. Insbesondere die Wahl von Umweltproblemfällen aus verschiedenen Ländern der EU soll ein Verständnis für unterschiedliche Wahrnehmungs- und Behandlungsweisen dieser Problemfälle verschaffen; es soll deutlich werden, dass u. U. ganz ähnliche Probleme je nach der kulturellen Denktradtion des jeweiligen Partnerlandes ganz unterschiedlich gesehen, gewichtet und praktisch angegangen werden (können). Durch diesen interkulturellen Abgleich soll der Horizont von Entscheidungsträgern (Politikern, Ingenieuren usw.) erweitert und ihr Urteilsvermögen geschärft werden.

 

envethics.partners2.250pxDas in unserem Projekt entwickelte neuartige Ethikmodul soll im Verein mit entsprechenden VET-Techniken einige bereits abgeschlossene Projekte auf eine ethische Basis stellen und insofern integrativ wirken: dies gilt insbesondere für das beendete LdV Pilot Project und das MEPC-Training Module for Environmental Pollution Control (RO/02/B/PP-141004). Zugleich soll der Vergleich unseres Ethik-Projekts mit diesen genannten Projekten den Unterschied zwischen einer mehr empirischen und einer ethischen Denkweise verdeutlichen: es geht - kurz gesagt - um den Unterschied zwischen Sein und Sollen, zwischen einer von der Empirie geleiteten und einer von ethischen Prinzipien her kommenden Auffassung bestimmter Umweltprobleme.

 

dsc_0252.250pxDen Personen, die in pragmatischen Kontexten mit der Beherrschung von Umweltproblemen befasst sind, fehlt es oft an Zeit und Gelegenheit, sich mit den ethischen Implikationen ihres Handelns zu beschäftigen. Die Berücksichtigung ethischer Aspekte ist jedoch unabdingbar für die Sicherung der Qualität von Umweltmaßnahmen. Unser Projekt strebt hier an, Neuland zu betreten und erstmals die pragmatische Orientierung existierender VET-Kurse mit einer ethischen Perspektive zu verbinden. Woran es ebenfalls innerhalb der EU-Staaten mangelt, ist eine Koordination der für VET-Trainingskurse maßgeblichen umweltbildungspolitischen Richtlinien und Konzepte. Daher versucht unser Projekt nicht zuletzt auch einen Beitrag zur internationalen Standardisierung und Harmonisierung im Bereich der Umweltbildung und Umwelterziehung zu leisten.

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dsc_0225.250pxDurch die Partner des Projekts aus verschiedenen EU-Staaten sowie der Türkei wird sichergestellt, dass sowohl berufsbildende Schulen als auch (technische) Universitäten und Forschungsinstitute an der Entwicklung des Ethik-Moduls und geeigneter VET-Methoden beteiligt sind. Hinzu kommt außerdem die Beteiligung des türkischen Ministeriums für Umwelt und Fortwirtschaft. Dieses weit gespannte Partnernetz erlaubt es, die Ergebnisse des ENV-ETHICS-Projekts überall in Europa zu verbreiten und so die Bedingungen dafür zu verbessern, dass die Entscheidungsträger in verschiedenen Ländern koordiniert zusammenarbeiten können. Dies erscheint nicht zuletzt auch angesichts der häufig grenzüberschreitenden Natur gewisser Umweltprobleme dringend geboten.

 

Alle relevanten Ergebnisse des Projekts werden in ein Textbuch zur Umweltethik Eingang finden, das in allen Sprachen der beteiligten Projektpartner abgefasst sein und das sowohl theoretische Aspekte als auch fallbezogene Diskussionen enthalten wird. Weiterhin wird es eine CD-ROM geben, die die im Projekt entwickelten Lehrmaterialien - ebenfalls in den Sprachen aller Projektmitglieder abgefasst - präsentieren wird. Schließlich soll auch diese Web-site allen Interessierten die Inhalte der VET-Kurse (blended-learning) zugänglich machen. Spezielle Evaluationen werden jeden Testlauf der Kurse, die in den verschiedenen Ländern durchgeführt werden sollen, begleiten und dokumentieren, um ein hohes Maß an Qualitätssicherung für das Gesamtprojekt zu gewährleisten.